Nebenfiguren im Roman – die heimlichen Stars deiner Geschichte
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In diesem Artikel soll es um die Nebenfiguren im Roman gehen – die heimlichen Stars. Denn sie unterstützen deinen Helden, wenn der längst aufgegeben hätte. Oder sie liefern dem Antagonisten die entscheidende Information, damit er losschlagen kann. Spannung garantiert! Wie? Ich zeige es dir!
Unterschätzte Figuren
Was wäre ein Buch, wenn es nur zwei Personen gäbe: die Hauptfigur und den Gegenspieler? In 99% der Fälle vermutlich sehr langweilig. Wer will schon immer wieder denselben Schlagabtausch lesen?
Deshalb kommen die Nebenfiguren im Roman ins Spiel und deren Rolle wird oft unterschätzt. Natürlich müssen und sollen sie nicht so detailliert ausgearbeitet sein wie der Hauptheld. Das würde den Fokus vom Protagonisten ablenken. Aber du kannst Nebenfiguren für spezielle Aspekte der Geschichte nutzen und ihnen in genau dieser Eigenschaft ein wenig Tiefe geben. Gib zum Beispiel jeder Nebenfigur einen Wunsch oder eine Angst. Mehr braucht es meistens nicht.

Die wichtigsten Rollen, die deine Nebenfiguren im Roman übernehmen können
Wichtig ist, dass du nicht zu viele Figuren einführst und dass sie unterscheidbar sind. Gib jedem von ihnen eine Persönlichkeit, die sie einzigartig macht und die sich idealerweise in einem Wort zusammenfassen lässt (der Draufgänger, der Zögerliche, der Belesene, der Kämpfer, usw.). Wichtig ist auch, dass sie nicht einfach da sind, sondern ihren Teil zur Geschichte beitragen. Das gelingt, wenn du ihnen gezielte Rollen gibst. Ein paar davon habe ich hier aufgelistet:
Er oder sie würde alles für deine Hauptfigur tun. Diese Charaktere sind treu, manchmal ein wenig naiv, aber immer fest entschlossen, das Happy End zu erreichen. Ohne ihre Unterstützung wäre dein Protagonist hoffnungslos verloren und es macht ihn sympathisch, wenn er das an irgendeiner Stelle auch erkennt und würdigt. Klassisches Beispiel hierfür wäre Samweis Gamdschie aus dem Herrn der Ringe.
Ein besonderer Twist, der erheblich Spannung in deinen Roman bringen kann, ist es, wenn genau dieser Unterstützer gegensätzliche Eigenschaften zu deinem Helden hat. Als gutes Beispiel wird hier oft Harry Potter genannt. Der regelbrechende Harry und die ordnungsliebende Hermine – da sind Konflikte vorprogrammiert. Aber wenn sie die überwinden, sind sie zusammen ein unschlagbares Team!
Fast eine Pflichtbesetzung in Fantasy-Geschichten. In jeder Heldenreise gibt es jemanden, der vom großen Ganzen mehr versteht als der Protagonist und der deine Heldin auf ihrer Reise anleitet und ihr die ersten Schritte zeigt. Das kann ein klassischer Ausbilder sein, der Kampf oder Magie lehrt oder ein Weiser, der deiner Hauptfigur die Augen für die größeren Zusammenhänge öffnet. Beispiele hierfür wären Albus Dumbledore aus Harry Potter oder Haymitch Abernathy aus die Tribute von Panem.
Hier sind wir vor allem im Genre Romance unterwegs, aber natürlich kann man diese Nebenfigur auch überall sonst einbauen. Dann spielt sie wahrscheinlich eine untergeordnete oder doppelt besetzte Rolle (z. B. als Unterstützerin oder Mentor). Bei Romance hingegen wird sie fast zur zweiten Hauptfigur (manchmal ist sie es, wenn die Geschichte z. B. zwei Perspektiven hat).
Der Love Interest bringt Gefühl in die Geschichte, ist jemand, bei dem sich dein Held sicher und geborgen fühlt. Das kann gerade in düsteren Welten ein wirkungsvoller Kontrast sein. Die Person, der diese Hingabe gilt, kann sich im Laufe der Geschichte natürlich auch ändern. Wenn sich unsere Protagonistin im Laufe des Romans weiterentwickelt, legt sie am Ende vielleicht auf ganz andere Eigenschaften wert, als am Beginn.
Vielleicht ergibt sich aus dem Love Interest aber auch gerade das Konfliktpotential für deinen Roman. Das geschieht, wenn er oder sie am Anfang eben nicht der sichere Hafen ist, sondern für deinen Protagonisten unerreichbar scheint. Dabei können unterschiedlicher sozialer Status, nationale Grenzen oder auch unterschiedliche Standpunkte zu einem wichtigen Thema Hindernisse bieten, die erst im Lauf der Geschichte überwunden werden müssen.
Auch hier bewegen wir uns vor allem im Genre Romance, aber natürlich sind da keine Grenzen gesetzt. Der Konkurrent dient dazu zu zeigen, wo deine Hauptfigur gerne hinmöchte, denn meist verkörpern er oder sie genau das – zumindest oberflächlich. Dein unscheinbarer Protagonist ist in das hübscheste Mädchen der Schule verliebt? Dann ist sie mit dem beliebtesten Jungen zusammen. Die Nachhilfeschülerin möchte unbedingt das Wissenschaftsturnier gewinnen? Dann ist ihr Konkurrent der Klassenbeste, der die letzten Jahre immer gewonnen hat.
Du siehst, je größer der Gegensatz, umso spannender und interessanter die Entwicklung deiner Hauptfigur. Natürlich kann sie auf ihrem Weg zum Ziel auch erkennen, dass sich das Ziel geändert hat und der bisherige Konkurrent gar nicht so erstrebenswerte Eigenschaften hat.
Nun kommen wir zu den Freunden und Unterstützern des Antagonisten. Auch ein Bösewicht braucht eben manchmal Unterstützung beim Böse sein 😉. Ein guter Handlanger ist deiner Hauptfigur am Anfang fast genauso überlegen wie der eigentliche Gegenspieler und wird meist vor diesem als Etappensieg erledigt. Dennoch solltest du dabei (je nach Genre) darauf achten, dass sie eben nicht nur ein Abziehbild des Antagonisten sind, sondern auch eigene Eigenschaften, vielleicht sogar eigene Ziele haben.
Ein ganz besonderer Fall des Handlangers – und ein besonders fieser dazu. Er oder sie gibt sich nämlich als Unterstützer deines Helden aus, nur um ihn oder ihr bei nächster Gelegenheit in den Rücken zu fallen. Das eignet sich besonders gut, um den Höhepunkt deiner Geschichte vorzubereiten, wenn alles schief geht, was schief gehen kann (wenn du z. B. nach der 5-Akt-Methode vorgehst).
Wie die Geschichte des Verräters endet, hast du in der Hand: Sieht er seinen Fehler ein und hilft am Ende doch dem Helden? Oder geht er klassisch mit dem Antagonisten unter? Beides ist möglich, beides hat seinen Reiz.
Deine Nebenfiguren im Roman unterstützen nicht nur den Helden

Wenn du sie richtig anlegst, tragen die Nebenfiguren auch deinen Roman. Ich hoffe, ich konnte dir zeigen, dass die richtigen Charaktere deinen Roman zum Leben erwecken können. Nimm nicht zu viele, damit die Handlung übersichtlich bleibt, aber auch nicht zu wenige, damit du Abwechslung in dein Buch bekommst. Die Wahrheit liegt wie so oft in der goldenen Mitte 😉.
Nutze ihre Eigenschaften, damit sie die Geschichte in einem ganz bestimmten Aspekt voran bringen und gib ihnen genau dort Tiefe, wo du sie brauchst.
Kennst du vielleicht noch andere Rollen von Nebenfiguren? Lass es mich gerne wissen, ich werde den Artikel ergänzen!
Weitere Teile der Serie
Wenn du mehr über Figuren im Roman wissen möchtest, dann schau doch gerne in die beiden anderen Artikel zur Serie:
Teil 1: Hauptfigur entwickeln: Die wichtigste Figur deines Romans richtig anlegen
Teil 2: Starke Antagonisten schreiben – Gegenspieler mit Tiefe
Und wenn du Unterstützung beim Plotten deines Romans brauchst, lade dir gerne mein kostenloses Freebie „5 Fragen, um deine Buchidee zu retten“ herunter.
Hab eine schöne Zeit!
Ulrike