Historischer Schreibtisch mit Büchern und Notizen zum Schreiben historischer Romane
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Historische Romane schreiben: 7 praktische Tipps

Lesedauer: ca 9 Minuten

In meiner Reihe zu den verschiedenen Genres möchte ich dir heute die historischen Romane vorstellen – für mich eins der schönsten, aber auch der anspruchsvollsten Genres überhaupt. Und weil ich gerade selbst mitten im Schreiben stecke, gibt es gleich 7 konkrete Tipps, wie du deinen eigenen historischen Roman schreiben kannst.

Warum historische Romane mehr sind als alte Kulissen

Historische Romane kamen am Ende des 18. Jahrhunderts und zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf. Sir Walter Scott gilt als ihr Erfinder, doch sicherlich kennst du auch Victor Hugos „Der Glöckner von Notre-Dame“ und Alexandre Dumas‘ „Die drei Musketiere“.

Zunächst einmal ist jeder Roman, der zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung in der Vergangenheit spielt, ein historischer Roman. Manchmal wird hier eine Grenze von 50 oder 100 Jahren gesetzt. Entscheidender als der zeitliche Abstand ist jedoch, dass die Lebensumstände dieser Zeit oder bestimmte historische Ereignisse gezeigt werden. Das ist umso interessanter, je mehr sich das Leben der beschriebenen Zeit von dem Leben in der aktuellen Zeit unterscheidet.

Verschiedene Zeiten, verschiedene Welten

Verschiedene historische Epochen als Inspiration fürs historische Romane schreiben
Zwischen Mittelalter, viktorianischer Zeit und den Goldenen Zwanzigern liegen ganze Welten – und unendlich viele Geschichten.

Der Klassiker unter den historischen Romanen ist natürlich der Mittelalterroman. Hier gab es in den letzten Jahren verschiedene Fokussierungen: auf militärische Konflikte und Schlachten zum Beispiel (der Brite Bernhard Cornwell ist dafür sehr bekannt) oder auf starke Frauen, die sich nicht in die männerdominierte Welt einfügen wollen (Der Klassiker: „Die Päpstin“).

Aber auch das 19. Jahrhundert bietet viel Stoff, um darin einen Roman spielen zu lassen. Aufkeimende Industrialisierung, soziale Nöte und gleichzeitig eine Blüte des Bürgertums. Frauen, die anfangen, um ihre Rechte zu kämpfen, während um sie herum starre gesellschaftliche Konventionen herrschen.

Natürlich kann man auch historische Romane schreiben, die außerhalb von Europa spielen und uns damit nicht nur die Tür in eine andere Zeit, sondern oft auch in eine völlig andere Kultur öffnen. Ich denke hier vor allem an das alte China, das kaiserliche Japan oder auch die arabische Hochkultur (hier würde mir als erstes „Der Medicus“ einfallen).

Verschiedene (Sub-)Genres

So unterschiedlich die Zeiten und Schauplätze sind, so unterschiedlich sind natürlich auch die Geschichten, die sich vor dem historischen Hintergrund entwickeln können. Ein Mönch kann einen Mord aufklären (wie zum Beispiel „Im Namen der Rose“) oder eine Hebamme die große Liebe finden (in der Hebammen-Reihe von Sabine Ebert zum Beispiel. Die spielt in und um die Silberstadt Freiberg, in der ich lebe 😊).

Möglich ist alles, du kannst auch historische Romane schreiben, die ebenso psychologische Entwicklungsromane oder Kriegs- und Antikriegsromane sind. Wichtig ist, dass das historische Setting mehr ist, als bloße Leinwand. Richtig gut wird es, wenn die Geschichte nur genau in dieser Zeit funktioniert, wenn zu allen anderen Zeiten die Umstände andere Wendungen oder Entscheidungen der Protagonisten gefordert hätten.

Was mich daran fasziniert (und wahrscheinlich auch deine Leser)

Du siehst, es gibt unendlich viele Möglichkeiten. Alle diese Geschichten haben eine klare Zeit, in der sie verankert sind und wir Autoren stecken viel Mühe in die Recherche, um diese Epoche so realistisch wie möglich darzustellen. Dabei musst du stets mehr wissen, als später ins Buch einfließt. Entwickle ein Gefühl dafür, wie die Lebensumstände dieser Zeit waren, ohne dass du später jedes Gericht auftischst, das du recherchiert hast. Denn genau hier liegt die Stärke, wenn du einen historischen Roman schreibst: Lass deine Leser erleben, wie es den Menschen damals ging. Was dachten sie? Was fühlten sie? Welche Auswirkungen hatten die großen Ereignisse konkret auf den einzelnen?

Historische Romane leben von Atmosphäre – sowohl beim Schreiben als auch beim Lesen.

Wir wissen zum Beispiel, dass die Pest in Europa viele Todesopfer gefordert hat. Aber das sind nur Zahlen und Fakten. Historische Romane – wenn sie gut gemacht sind – nehmen uns mit: Zeigen das Grauen, das damals in den Dörfern und Städten geherrscht haben muss, die ständige Angst, erste Anzeichen der Krankheit zu zeigen. Aber auch das normale Leben. Denn auch während der Pest haben Menschen geheiratet, eine Familie gegründet und Feste gefeiert.

Wenn wir historische Romane schreiben, nehmen wir die Leser mit in die Köpfe der Menschen. Die Pest: ein Gottesurteil, der Tod: alltäglich. Genau hier wird es spannend und auch unglaublich schwierig, denn über die Gedanken und Gefühle der Menschen ist wenig überliefert und die Quellen werden noch dünner, je weiter man zurückgeht. Oft sind die Denkweisen zu unseren heutigen sehr verschieden und selbst wenn man als Autor die Fakten gut recherchiert hat, muss man gut überlegen, wieviel Andersartigkeit man dem Leser zumutet. Immerhin soll sich der Leser der Gegenwart ja auch mit den Figuren aus der Vergangenheit identifizieren.

Historische Romane schreiben – 7 konkrete Tipps für dich

1. Such dir eine Zeit aus, die du selbst spannend findest

Du wirst die nächsten Monate, wahrscheinlich Jahre in dieser Zeit verbringen, wirst Quellen und andere Romane zu dem Thema lesen und in die Welt deiner Figuren eintauchen. Wenn du das nur machst, nur weil du glaubst, die walisischen Bauern des 15. Jahrhunderts sind gerade das Trendthema, wirst du irgendwann die Lust verlieren.

2. Recherchiere gründlich…

Die Horrorvorstellung von Menschen, die historische Romane schreiben, ist wohl der Klugscheißer, der dir Szenen deines Buches zerpflückt: „Das war aber gar nicht so!“ Hier hilft nur gründliche, ausführliche Recherche. Und damit meine ich nicht, dass du Chat-GPT eine Frage zu dem Thema stellst. Versteh mich nicht falsch: KI kann ein gutes Werkzeug für den Einstieg sein. Historische Recherche ersetzt sie trotzdem nicht.

Recherchechaos beim Schreiben historischer Romane mit Büchern, Karten und Notizen
Zwischen Quellen, Notizen und Rabbitholes verschwimmt beim Schreiben historischer Romane manchmal jedes Zeitgefühl.

Such dir verschiedene Quellen (Internet, Bücher, Zeitschriften und ja auch KI), betrachte alle Fakten erst einmal misstrauisch und verwende sie am besten nur, wenn mindestens zwei unabhängige Quellen sie bestätigen (ich weiß, manchmal geht das nicht, aber dann entscheidest du bewusst und nicht aus Faulheit). Das ist immer noch keine Garantie, dass alle Details deines Romans korrekt sind, aber es bewahrt dich zumindest vor groben Schnitzern.

3. …aber verliere dich nicht in der Recherche

Übrigens kann man auch zu viel recherchieren und dabei das Schreiben des Romans vergessen. Also Vorsicht vor Rabbitholes! Wenn du dir zu einem bestimmten Thema unsicher bist, markiere die entsprechende Stelle und schreib erstmal weiter. Im Zuge der Überarbeitung kannst du nochmal darauf zurückkommen. Und wer weiß, vielleicht fliegt die Szene dann auch komplett aus dem Roman.

4. Vermeide Info-Dump!

Ja, ich weiß: Du hast viel Zeit in die Recherche gesteckt und kennst dich mittlerweile super in deinem Thema aus. Dennoch willst du einen historischen Roman schreiben und kein Geschichtsbuch. Deinen Leser interessiert es viel mehr, wie deine Hauptheldin wieder genug Brot für ihre Familie bekommt, als dass du die Gildenstruktur in mittelalterlichen Städten beleuchtest. Handlung statt Geschichtsstunde! Wenn du ein Thema hast, das du unbedingt näher beleuchten willst, dann ist ein Blog der perfekte Ort für dein Expertenwissen.

5. Lass deine Figuren authentisch sein

Mutter und Kind in historischer Umgebung als authentische Figuren eines historischen Romans
Historische Romane wirken besonders glaubwürdig, wenn ihre Figuren nicht nur historisch korrekt, sondern auch menschlich greifbar sind.

Hier wird’s kniffelig. Jeder weiß, dass die Menschen früher anders geredet haben als heute. Kein Kaufmann des 17. Jahrhunderts wird „Deal!“ gerufen haben beim Geschäftsabschluss. Aber, und das ist weit schwieriger, dir muss bewusst sein, dass die Menschen auch anders gedacht haben. Und das nicht nur in den großen Themen wie Politik, Geographie oder Gleichberechtigung – auch in alltäglichen Dingen.

Der sonntägliche Kirchenbesuch war nicht verhandelbar. Geister und Dämonen waren so real wie die Tiere im Wald. Wusstest du, dass man im Mittelalter sogar einen anderen Schlafrhythmus hatte? (Wenn dich das Thema interessiert, dann google mal 1. und 2. Schlaf)

6. Konzentriere dich auf deine Charaktere, nicht auf die politischen Ereignisse

Dieser Punkt kann jeden noch so gut recherchierten Roman killen. Wenn es sich mehr wie eine Geschichtsstunde anfühlt als ein Buch zur Unterhaltung, wird es der Leser schnell beiseite legen. Romane leben davon, dass wir mit den Charakteren mitfühlen, dass wir mit ihnen fiebern wollen, dass sie ihre Ziele erreichen und manchmal auch mit ihnen am Boden zerstört sind, wenn sie das nicht tun. Das sind Geschichten, die bleiben. Dabei musst du gar keinen schnulzigen Liebesroman schreiben. Aber zeige, welche Auswirkungen, die konkreten historischen Ereignisse auf deine Figuren haben. Wie gehen sie damit um? Unterschätzen sie vielleicht wichtige Wendungen? Ahnen sie, in welche Richtung sich alles entwickeln wird? Was tun sie, um mit den veränderten Umständen zurechtzukommen? Das ist eines der Kernthemen, wenn wir historische Romane schreiben!

7. Mach es nicht zu authentisch

Ja, ich weiß, das klingt jetzt widersprüchlich. Ist es auch – zum Teil! 😉 Aber manche Zeiten und Gesellschaften sind von unserer sehr weit weg. Und je unterschiedlicher die Menschen denken und handeln, desto schwerer fällt es uns, sich mit ihnen zu identifizieren. Und das ist, wie wir ja eben besprochen haben, der Kernpunkt deines Romans. Hier musst du also einen Spagat hinbekommen zwischen historischer Genauigkeit (siehe Punkt 2) und Charakteren, mit denen wir uns verbinden können. Es gibt hier keine Regel, wie weit man gehen sollte. Ich gebe nur eins zu bedenken: Um einen Majapriester, der seinen Göttern regelmäßig Menschenopfer darbringt, sympathisch zu finden, muss schon verdammt viel passieren!

Empfehlung

Wie spannend historische Persönlichkeiten neu interpretiert werden können, zeigt zum Beispiel Zoe Leonhard in ihrem Roman „Die Friedenskriegerin“. Ein spannendes Buch über eine reale historische Persönlichkeit: Eadric Streona, einen angelsächsischen Adligen des 11. Jahrhunderts, der in der Geschichtsschreibung nicht so gut wegkommt. Der Clou? Die Autorin hat ihn als verkleidete Frau angelegt. Wie das alles zusammenhängt und warum Eadric die eine oder andere fragwürdige Entscheidung trifft, hat Zoe Leonhard mitreißend erzählt. Neugierig? Dann schau hier mal rein. Es gibt auch eine Leseprobe: https://www.amazon.de/Die-Friedenskriegerin-Teil-Merciens-Lied/dp/B0G2YY6LY2

(kein Affiliate-Link, nur eine ehrliche Empfehlung)

Liest du auch gerne historische Romane?  Was magst du daran? Welche haben dich besonders beeindruckt? Schreib sie gerne in die Kommentare und gib die Inspiration an andere weiter.

Oder willst du gerade historische Romane schreiben? Dann hilft dir vielleicht mein kostenloses Freebie „5 Fragen, um deine Buchidee zu retten“.

Hab eine schöne Zeit!

Ulrike

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